Die Unterhaltung (I)

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Dr. Iris Berndt – Credit : Ronka Oberhammer, Berlin

Dr. Iris Berndt, Direktorin Käthe-Kollwitz-Museum Berlin  

Frau Iris Berndt, wir danken Ihnen, auf einige Fragen über Käthe Kollwitz und das Käthe Kollwitz Museum in Berlin zu antworten.

Seit Ende 2014 sind Sie sind die neue Direktorin dieses Museums. Es hat vor kurzem sein 30-jähriges Jubiläum gefeiert. Sie sind die Nachfolgerin von Gudrun und Martin Fritsch, die es seit seiner Gründung 1986 geleitet haben. Hans Pels-Leusden, Mäzen und Kunstsammler, hatte ihm seine persönliche Sammlung der Werke von Käthe Kollwitz vermacht..

 

1.Wann und Wo sind Sie Käthe Kollwitz und ihrem Werk zum ersten Mal begegnet?

Ich begegnete Käthe Kollwitz zum ersten Mal in einem Kinderbuch von Brigitte Birnbaum, das Kathusch heißt und den Lebensweg der jungen Käthe Kollwitz bis zu ihrer Verheiratung mit 24 Jahren beschreibt. Da war ich vielleicht 12. Dann in der Schule im Kunstunterricht. Es war eine junge leidenschaftliche Lehrerin mit großen schönen blauen Augen und sie sprach vom Leid, dass die Kollwitz so gut darstellen könne, vor allem beim Blatt „Tod“ des Weberaufstandes. Das ging mir ins Herz. Das war in Berlin-Friedrichshain um 1984, ich glaube in der 10. Klasse.

 

2. Leiten Sie zum ersten Mal ein Museum, das ausschlieβlich einem einzigen Künstler gewidmet ist? Inwiefern unterscheidet sich solch ein Museum von einem thematisch breitgefächerten? Welche besonderen Einschränkungen oder Ausblicke gibt es dahingehend?

Sie haben Recht, es ist eine besondere Herausforderung ein Museum nur für eine Person zu leiten. Diese „Hauskünstlerin“ will man anderen Menschen nahebringen, aber es ist wichtig, dies immer wieder frisch und unbefangen zu tun. Sonst wird daraus ganz schnell eine ideologische Heldenverehrung. Unser Ausstellungsformat „Im Dialog mit Käthe Kollwitz“ versucht deshalb, eine vergleichende Betrachtung mit Gegenwartskünstlern oder auch Zeitgenossen der Kollwitz anzufachen.

 

3. 2015 haben Sie ein Werk herausgegeben, das « Käthe Kollwitz in Berlin, ein Stadtrundgang » heiβt. Diese Initiative wurde von der Öffentlichkeit sehr geschätzt und es unterstreicht die Bedeutung der Stadt Berlin im Leben der Künstlerin Käthe Kollwitz, ihrer Familie und ihrer Künstlerfreunde.
Welches sind Ihre Projekte, besonders anlässlich des 150. Geburtstages von Käthe Kollwitz 2017?

Das wichtigste Projekt zum 150. Geburtstag ist unsere Ausstellung „Käthe Kollwitz und ihre Freunde“. Zwölf bekannte und unbekannte Freunde der Käthe Kollwitz aus unterschiedlichen Lebensphasen, politischen Richtungen und mit unterschiedlicher Innigkeit zu Käthe Kollwitz stellen wir aus. Außerdem kooperieren wir mit der Kunstgalerie Kaliningrad in Russland, das ist das ehemalige Königsberg, wo Käthe Kollwitz am 8. Juli 1867 geboren wurde und die ersten 24 Jahre ihres Lebens verbrachte.

 

4. Käthe Kollwitz ist in Frankreich sehr wenig bekannt.

Das stimmt, Käthe Kollwitz ist in Frankreich nicht so bekannt wie in anderen Ländern. Dabei war Käthe Kollwitz zweimal in Paris und hat hier einen Kurs in Bildhauerei gemacht, war wie alle von Auguste Rodin begeistert. Aber unsere Arbeit trägt dazu bei, Sie bekannter zu machen, in Deutschland und weltweit, denn die meisten unserer Besucher sind Gäste der Stadt.

 

5. Wurde Käthe Kollwitz in beiden Deutschen Staaten unterschiedlich wahrgenommen?

Käthe Kollwitz wurde in beiden deutschen Staaten unterschiedlich wahrgenommen. Im Osten war sie regelmäßig ausgestellt, gab es Kinderbücher über sie und auch in der Schule wurde man wie ich auf sie aufmerksam gemacht. Im Westen gab es aber auch Ausstellungen, vielfach, wie auch die Gründung des Berliner Museums, geschah dies aber nicht von staatlicher Seite, sondern auf private Initiative.

 

6. Wurde an Sie bezüglich einer groβen Käthe Kollwitz Ausstellung in Paris herangegangen?
(Zur Erinnerung: das Goethe-Institut Paris hatte 1967 eine Ausstellung organisiert. Im Laufe des Sommers 2012 hat das ‘Musée Georges de la Tour’ in Vic-sur-Seille in Ostfrankreich eine sehr schöne und erfolgreiche Ausstellung in Zusammenarbeit mit dem Museum in Berlin organisiert. Dansk dieser Ausstellung konnte eine breite Öffentlichkeit diese groβe Künstlerin zum ersten Male kennenlernen.)

Nein, es sollte mich freuen zu erfahren, dass in Paris 2017 eine große Ausstellung geplant wird. Auch die Kollegin vom Kölner Kollwitz-Museum, die ich kürzlich dazu fragte, wusste davon nichts.

 

7. Falls noch keines der Pariser Museen Sie auf eine Ausstellung hin angesprochen hat, welches Museum erschiene Ihnen dafür am geeignetsten? Wie würde solch eine Ausstellung  aussehen?   

Das Musée Rodin hat uns für 2017 angesprochen und möchte in einer großen Ausstellung, die Auguste Rodin gewidmet ist, auch seinen Einfluss auf deutsche Künstler zeigen. Wir sind hier im Gespräch.

 

8. Welchen zeitgenössischen, französischen Künstler würden Sie gerne Käthe Kollwitz und ihrem Werk entgegenstellen, vielleicht anlässlich einer Ausstellung, einem Buch oder einer Konferenz?   

Leider habe ich keinen wirklichen Überblick über die französische zeitgenössische Kunst, die lebendiger ist als noch vor einigen Jahren. Letztes Jahr hat mich in Paris Cartier-Bresson fasziniert. Ihr Blog kann helfen, Künstler, französische Künstler, die sich geistesverwandt der deutschen Käthe Kollwitz fühlen, mit uns in Kontakt zu bringen.

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